Ich muss gestehen, dass ich den Schreibguide Geschichte bisher nur sporadisch und auszugsweise gelesen habe (hauptsächlich Kapitel 6) - das war, wie ich jetzt feststelle, ein Fehler. Vor allem die Idee des Journals hat es mir sehr angetan. Ich glaube ich werde diese Idee mit diesem Blog auch für mich persönlich weiter verfolgen, intensiver als ich das bisher getan habe.
Indes geht die Literaturrecherche weiter, das Thema lässt mich nun nicht mehr los. Denn ganz zufrieden bin ich mit meiner Ausbeute noch nicht. Heute habe ich es einmal mehr mit unkonventionellen Methoden versucht (Google und Hausarbeiten.de). Dabei bin ich auf brauchbare Quellen gestoßen.
Auf Hausarbeiten.de habe ich eine Seminararbeit zum Thema "Russlands Weg nach Europa" gefunden. Die Arbeit selbst ist - bis auf eine kurze Textvorschau - leider nur gegen Entgelt verfügbar. Dafür ist jedoch eine Liste mit allen verarbeiteten Quellen einsehbar. Eine wahre Schatzgrube. Die meisten angeführten Quellen sind in folgenden Werken zu finden:
Ottmar Frank, Europa und Rußland- Das Europäische Haus?
Wolfgang Mommsen, Der lange Weg nach Europa
Erich Donnert, Das russische Zarenreich. Aufstieg und Untergang einer Weltmacht
Arthur Just, Russland in Europa. Gedanken zum Ostproblem der abendländischen Welt
Georg von Rauch, Studien über das Verhältnis Rußlands zu Europa
Werner Weidenfeld, Europa von A bis Z
Bis auf den letzten Titel, sind alle Bücher in der UB bzw. in der Fachbereichsbibliotheken verfügbar. Leider ist das letzte Buch - wie schon erwähnt - nicht auffindbar. Das ist deshalb schade, weil es sich mit einem für mich zentralen Thema auseinandersetzt; der europäischen Identität. Denn wie die Autorin der Hausarbeit richtig bemerkt: Wenn man ergründen will wieso Russland zu Europa gehören will, muss man dieses Europa zu erst definieren. Ich denke dies wird auch bei meiner Arbeit das erste Kapitel sein.
Verblüffend finde ich, das ich keines der oben aufgeführten Werke mit meinem Stichwörterkanon gefunden habe, das gibt mir zu denken. Das Schneeballsystem muss wohl die effektivere Methode sein.
Auch Wikipedia hat mir zumindest eine interessante Quelle geliefert, nämlich den Essay "Essay towards the Present and Future Peace of Europe" von William Penn aus dem 17 Jhd. Penn zeichnet ein erstaunlich genaues Bild von einem vereinten Europa, doch auch er stellt bereits die Miteinbeziehung Russlands in Frage.
michael.h - 5. Nov, 03:04
Bei meiner zweiten Literaturrecherche im Netz ging ich nun systematischer und gründlicher vor. Ich werde mich in den folgenden Zeilen bemühen meine Recherchetechnik näher zu erläutern, auf die Fundstücke selbst werde ich noch nicht so genau eingehen.
Nachdem ich von meiner ersten Recherche bereits ein wenig Erfahrung mit dem OPAC der UB habe, wollte ich meine Recherche in einem neuen Terrain beginnen lassen. Mein erste Adresse war also die des Suchsystems der Nationalbiblothek. Hier bin ich auf vier Bücher gestoßen:
Igor Aplaev, Russland - ein Teil Europas?
Markus Ralf Hoffman, Russland und Europa
Hans-Joachim Spanger, Russland und der Westen
Andrea Stöger, Europäische Union und Rußländische Föderation
Als Suchbegriffe nutze ich (das gilt ebenso für die weiteren Rechercheschritte): Russland (und) Europa, Russland EU, Moskau Europa, Zarenreich Europa, Russland Westen
Als nächstes zog ich wieder die UB zu Rate. Hier fand ich, außer den Werken die ich bereits auf meiner Literaturliste habe, folgendes:
German Diligenskij, Der "Westen" im russischen Bewußtsein
Roland Diligenskij, Die Kluft zwischen Rußland und dem Westen : historische Perspektive und Szenarien
Walther Mediger, Moskaus Weg nach Europa : der Aufstieg Russlands zum europäischen Machtstaat im Zeitalter Friedrichs des Grossen (1952)
Ulrike Eich, Rußland und Europa : Studien zur russischen Deutschlandpolitik in der Zeit des Wiener Kongresses
Während meine erste Suche in der UB und meine Suche in der OeNB augenscheinlich eher zeitgeschichtliche u. politische Ergebnisse brachten, wird die Sache hier - wie ich finde - spannender. Gleich das erste Werk scheint mir sozialtheoretisch zu sein, was ein wichtiger Aspekt in meiner Arbeit werden soll. Auch alle anderen drei Bücher sind offensichtlich historische Werke. Die letzten zwei beziehen sich sogar eindeutig auf das russische Zarenreich.
Interessante Artikel fand ich bei ABC-Clio. Hier in der Kurzfassung:
Haussherr, Hans.
RUSSLAND UND EUROPA IN DER EPOCHE DES WIENER KONGRESSES
Citation: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 1960 8(1): 10-31.
Author: Neander, Irene.
RUSSLAND UND EUROPA IM ZEITALTER PETERS DES GROSSEN UND KATHARINAS II
Citation: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 1956 7(2): 65-82.
Nolte, Hans-Heinrich.
TRADITION DES RÜCKSTANDS: EIN HALBES JAHRTAUSEND "RUSSLAND UND DER WESTEN"
Citation: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte [Germany] 1991 78(3): 344-364. ISSN: 0340-8728
Google brachte keine interessanten Ergebnisse zu Tage (abgesehen von dem Online-Buch aus der letzten Recherche). Nun werde ich mich auf die Suche nach den Artikeln begeben und in die betreffenden Bibliotheken gehen, bzw. mich dort anmelden (OeNB).
michael.h - 3. Nov, 17:26
Nun wird mir langsam klar, worauf ich mich hier eingelassen habe. Russland alleine im europäischen Kontext zu betrachten ist nicht möglich, ohne ein gewisses Grundwissen über Russland zu akkumulieren. Auch wird mir immer klarer, dass der überwiegende Teil meiner Arbeit in der Zeitgeschichte angeordnet sein wird, um hier noch ein wenig konkreter zu werden: In der Zeit nach 1990, insbesondere unter Jelzin und Putin. Wieso ich das hier noch einmal extra erwähne? Um mein Quellenproblem etwas zu verdeutlichen. Ich kenne das Problem bereits von meiner Maturaarbeit, die den 11. September zum Thema hatte. Nun aber zu meinen ersten Ergebnissen in der Literaturrecherche.
Gleich mein erster Quellenfund ist ein etwas ungewöhnlicher, gefunden in der Bundeszentrale für politische Bildung (http://www.bpd.de). Das Buch trägt den Titel "Russland und Europa" und ist komplett online verfügbar - beschränkt sich aber leider nur auf die Jetztzeit.
Russland und Europa (Auburger, Leopold 1985)
Rußland und Europa (Geier, Wolfgang 1996)
Der Transformationsprozeß in Rußland (Haarland, Hans Peter)
michael.h - 24. Okt, 17:27
Der eigentliche Hintergrund dieses Blogs ist die Entwicklung meiner ersten wissenschaftlichen Arbeit unter "Aufsicht" von Herrn Prof. Schmale. In erster Linie dient der Blog also zur Veröffentlichung meiner Hausübungen, die ich im Rahmen der LV zu erledigen habe. Gerne lade ich auch andere (geschichtsinteressierte) Leser dazu ein meinen (hoffentlich nicht allzu langweiligen) Ausführungen zu folgen....
Die erste Aufgabe besteht darin ein Brainstorming zum Thema Europäische Einheit durchzuführen, aus dem ein eigenes - individuelles - Thema enstehen soll. Den Punkt 1 möchte ich in Form von Fragestellungen bearbeiten.
Aufgabe 1
Europäische Einheit
- Wieso sprechen wir von einer europäischen Einheit, aber nicht von einer asiatischen oder afrikanischen? Was macht Europa so besonders, wie unterscheidet sich Europa von anderen Kulturräumen? Ist Europa überhaupt ein eigener Kulturraum? Eint Kultur?
- Ist die Idee der europäischen Einheit die logische Konsequenz aus 2. Jahrtausend Krieg und Leid? Ist die EU die Verwirklichung der Europäischen Einheit, und wenn ja - wieso wird diese pazifistische Idee nicht von allen mitgetragen?
- Was ist eine Einheit? Bedeutet Einheit Verlust von Kultur und Eigenheiten? Ist die Einheit ein anderer Begriff für Globalisierung?
Aufgabe 2
Welche Aspekte mich am meisten an dem Thema interessieren / Erste Gedankenansätze zu einem eigenen Thema
Die meisten Staaten Europas haben sich bisher zur europäischen Einheit bekannt, aber nicht alle, was wir oft vergessen. Ein großes Reich, früher ganz klar europäisches Imperium, hat wie ich glaube eine andere, zwiespältige Sicht auf Europa, die EU und im Allgemeinen die Europäische Einheit. Ich spreche hier von Russland. Geschichtlich gesehen ist Russland zweifelsfrei ein europäisches Land. Die russischen Zaren waren auf allen großen Familienfesten der europäischen Herrscherdynastien eingeladen, St.Petersburg war eins der kulturellen Zentren Europas und viele bekannte russische Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler trugen zum Geiste Europas bei. Heute meint man fast zu glauben, Russland hätte Angst vor Europa - doch weshalb? Ist es das andere Verständnis von Demokratie, die vielen Jahre Sozialismus und der kalte Krieg oder schlichtweg die Größe dieses Landes? Weshalb hat sich Russland so anders entwickelt als alle anderen Länder Europas? Ich glaube durch diesen Blick von Außen, können wir viel über die Europäische Einheit erfahren. Mein Themenvorschlag wäre also "Russland und die Europäische Einheit".
michael.h - 16. Okt, 17:26
Bis vor einigen Jahren war das Internet eine sehr einseitige, oft auch sehr langweilige Sache. Es gab auf der einen Seite den Publisher, der die Inhalte zur Verfügung stellte und auf der anderen Seite den Leser, der diese Inhalte konsumierte.
Zwischen ihnen eine unüberwindbare Mauer, die dank
Gästebüchern und Foren gelegentlich ein wenig bröckelte, jedoch nie zur Gänze einbrach. Wer zum erlesenen Kreis der Publisher, oder auch Webmaster, gehören wollte musste sich schon gehörig anstrengen. Nebst HTML-Kenntnisse, brauchte man teuren Webspace und eine URL. Alles sehr kompliziert, für die meisten Menschen zu kompliziert.
Dies alles änderte sich grundsätzlich mit der Entwicklung zum "User Based Content"; wie weit diese Entwicklung gehen kann zeigt uns einestages.de, das neue Zeitgeschichteportal von SpiegelOnline. Wie ich finde, vor allem für Historiker, eine spannende Idee.
einestages.de ermöglicht allen Menschen ihre persönlichen Erinnerungen der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, das Ziel der Seite ist der "Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses unserer Geschichte" [sic]. Anders jedoch als z.B bei Wikipedia, werden alle Beiträge überprüft und auf redaktionelle Standards getrimmt. Der Hauptaugenmerk von einestages.de liegt neben den Texten vor allem auch auf medialen Inhalten - Bilder, Videos, Tondokumente. Die Ernsthaftigkeit des Vorhabens unterstreicht die Kooperation mit zahlreichen namhaften Partnern, wie z.B dem deutschen Bundesarchiv, dem Progress Filmverleih (der das DEFA-Erbe verwaltet) oder auch der deutschen Fotothek. Deutlich wird hierbei der starke Fokus auf deutsche Geschichte; große Themen sind der Mauerfall, der RAF-Terror und das Leben in der DDR.
Etwas unklar scheint mir das Copyright formuliert zu sein, alle Dokumente dürfen für private Zwecke genutzt werden. Schließt das nun wissenschaftliche Arbeiten mit ein oder nicht? Vielleicht kann ja hier jemand weiterhelfen..
Der Blick auf einestages.de lohnt aufjedenfall, wer nur ein wenig Interesse an (deutscher) Zeitgeschichte mitbringt, der wird so schnell nicht wegklicken.
Links
www.einestages.de
michael.h - 15. Okt, 21:23
Grüßgott, Gutentag, Bonjour, Hallo!
Bevor ich hier mit meinem eigentlichen Blog starte, möchte ich einige Worte zu meiner Person los werden.
Ich bin erstsemetriger Geschichtestudent an der Uni Wien - oder wie man in den USA zu sagen pflegt - Freshman, Frischmensch. Weshalb ich mich für die hohe Kunst der Geschichtsschreibung entschieden habe? Keine einfache Frage, die auch nicht in zwei Halbsätzen beantwortet werden kann. Wie ich finde, ist diese Frage aber von grundsätzlicher Bedeutung - denn woher sonst sollen Sie, werte Leserschaft wissen, dass ich es hier auch wirklich ernst meine?
"„Was willst du denn damit mal anfangen?“, „Geschichte, ist das nicht das Studium bei dem man nebenbei noch den Taxischein machen muss?“ oder „.. dann mach es doch wenistens auf Lehramt“ – Bemerkungen die ich, wie viele andere Erstsemestrige in Geschichte wohl auch, oft hören muss. So bin ich jeden Tag aufs neue gezwungen mich für mein Geschichtstudium zu rechtfertigen. Meine Antworten stellen mein Gegenüber sellten zufrieden, was bleibt ist ein verwundert abwertender Blick. In diesem Moment hat der Gesprächspartner wohl folgendes vor Augen: Meine Wenigkeit als verarmten Mann mit Mag.-Titel, der trotz vieler Jahre Studium froh sein muss seine Miete mit dem bisschen zu bezahlen was er beim MacDonalds verdient. Natürlich wünsche ich mir eine rosigere Zukunft, aber ich könnte mir auch ein abschreckenderes Szenario vorstellen; vor mir das Bild eines gut verdienenden Managers, der sich jeden Tag durch den brutalen Alltag der freien Wirtschaft quält, dabei kaum Zeit hat sein verdientes Geld auszugeben oder sich gar um seine Familie zu kümmern. Geld ist nicht Glück, das verkennen viele Menschen. Das ist natürlich nicht der Hauptgrund wieso ich mich für Geschichte entschieden habe, es ist ein viel trivialerer, in unserer Zeit fast schon obszöner Beweggrund; Interesse, schlichtweg Leidenschaft. Die Leidenschaft zu erkennen wieso unsere Welt heute so ist wie sie ist und welche Ereignisse uns zu dem Punkt geführt haben an dem wir heute stehen.
In diesem Geiste möchte ich auch diesen Blog "chronoblog" gestalten. Geschichte ist für mich nicht die Aneinanderreihung von Daten und Fakten, obwohl der Titel dieses Blogs dies vielleicht suggerieren mag. Aber schauen wir uns den Titel etwas genauer an. Das Wort "chrono" ist griechischen Ursprungs und bedeutet nichts anderes als Zeit, der zweite Teil des Titels meint, wie die meisten bereits wissen werden, Internettagebuch. "chronoblog" bedeutet für mich also "Zeittagebuch". Ein Phantasiebegriff also, hinter dem jedoch eine Idee steckt. Ein Tagebuch ist für mich immer etwas lebendiges, nicht nur zum Zeitpunkt des Schreibens, auch Jahre (Jahrzehnte) später bleibt es irgendwie vital. Ein Beispiel dafür ist das Tagebuch der Anne Frank, das uns noch heute tief ergreift. Obwohl es nur das Tagebuch eines kleinen Mädchens ist, zeigt es doch die Grausamkeit ihrer Zeit. Würden wir das gleiche empfinden, wenn wir die Zahl der NS-Opfer vor uns sehen würden? Nein, denn keine Zahl kann das bewirken, was uns ein Einzelschicksal lehrt. Geschichte ist für mich das Leben der Menschen, der Blick auf Zusammenhänge und Veränderungen - erst dadurch wird Geschichte lebendig.
michael.h - 15. Okt, 20:12