Von Iwan dem Schrecklichen bis Fjodor Aleksejewitsch
Iwan IV. der Schreckliche, ein Enkel des Großfürsten Iwan III. lies sich 1547 zum Zar krönen und gründete damit das russische Kaiserreich. In der russischen Geschichtsforschung hat er den Ruf eines großen Eroberers (er vergrößerte das Staatsgebiet um die Hälfte) und gleichzeitig den eines erbarmungslosen Tyrannen. An dieser Stelle möchte ich direkt aus dem Buch "Rußland und Europa" von Wolfgang Geier zitieren:
Das Vorgehen des Zaren, seiner Truppen und der Behörden ließen in Europa, besonders in den Nachländern der zeitweilig eroberten baltischen Gebiete sowie in Polen, Deutschland und Österreich Vorstellungen von den „moskowitischen Greueln“ entstehen, die mit den „türkischen Greueln“ gleichgesetzt wurden. Dieses Bild sollte das „Bild Russlands“ in Europa über Jhd. bis in die Gegenwart hinein bestimmen. Die russische Wesensart und Politik wurden als unmenschlich und barbarisch, als unberechenbar und tyrannisch empfunden und dargestellt. „Finsteres, unmenschliches Moskowien“ (S64)
Überliefert ist, dass Iwan IV. großen Gefallen daran fand neue Foltermethoden zu erfinden und diese an seinen Untertanen, auch engsten Beratern auszuprobieren. Er lies es sich nicht entgehen die Greuel selbst anzusehen. Dabei fanden tausende Menschen den Tod. Es heißt, er hätte sich damit gerühmt 1000 Jungfrauen zu vergewaltigen und die daraus entstandenen Kinder abzuschlachten. Diese Geschichte ist wahrscheinlich nicht wahr, sie stammt wohl aus der Feder katholischer Mönche. Jenen Mönchen allerdings, die zur selben Zeit an den Hexenverbrennungen und der Folter von Ketzern beteiligt waren.
Trotz oder wegen seiner Schreckensherrschaft erreichte Iwan IV. einige Reformen in seinem, im Vergleich zum europäischen Westen, rückständigen Reich. 1550 wurde ein Gesetzesbuch eingeführt, durch das Parlament werden die Rechte der Bauern gestärkt. Die Reformen verfestigten den Staatsapparat und ermöglichten erst die außerpolitischen Erfolge, und damit auch den enormen Landgewinn.
Der nächste große Schritt richtung Westen wurde von Fjodor Aleksejewitsch ausgeführt, der von 1676 bis 1682 als dritter Romanow über das russische Reich regierte. Er war ein für die damalige Zeit ungewöhnlich gebildeter Mann, der in seiner Herrschaftszeit die "Öffnung 'gen Westen" durch seinen Nachfolger Peter dem Großen maßgeblich vorbereitet hat. Allerdings scheiterten Fjodors Bemühungen um eine antitürkische Allianz mit Polen und Österreich zu bilden. Erst seine Nachfolgerin Sofija realisierte dieses Vorhaben. Russland trat 1686 der nach der Türkenbelagerung von Wien 1684 gegründete heiligen Liga bei. Diese Liga bestand aus dem Papst, dem Kaiser, Polen und Benedig. Der Vertrag verankerte Russland Platz im europäischen Machtzirkel.
Im Gegensatz zu Fjodor Aleksejewitsch und seinen Nachfolgern, die alle (mehr oder minder) gute Kenntnisse über Europa hatten, blieb das Volk ungebildet. Nun wieder ein Zitat aus Rußland und Europa von Geier:
Reisefreiheit der Russen war bis in die Neuzeit stark eingeschränkt. Lizenzen waren von Nöten, in der Regel auch Bestechungsgeld. Die Abgrenzung nach Außen wurde von der orthodoxen Kirche befürwortet. Alles verderbliche kam aus dem (europäischen) Westen. (S74)
Die Meinung der Europäer über Russland war von den selben Vorurteilen geprägt. Wusste jemand etwas über das Zarenreich zu sagen, waren es Geschichte vom "grausamen Moskowien".
Das Vorgehen des Zaren, seiner Truppen und der Behörden ließen in Europa, besonders in den Nachländern der zeitweilig eroberten baltischen Gebiete sowie in Polen, Deutschland und Österreich Vorstellungen von den „moskowitischen Greueln“ entstehen, die mit den „türkischen Greueln“ gleichgesetzt wurden. Dieses Bild sollte das „Bild Russlands“ in Europa über Jhd. bis in die Gegenwart hinein bestimmen. Die russische Wesensart und Politik wurden als unmenschlich und barbarisch, als unberechenbar und tyrannisch empfunden und dargestellt. „Finsteres, unmenschliches Moskowien“ (S64)
Überliefert ist, dass Iwan IV. großen Gefallen daran fand neue Foltermethoden zu erfinden und diese an seinen Untertanen, auch engsten Beratern auszuprobieren. Er lies es sich nicht entgehen die Greuel selbst anzusehen. Dabei fanden tausende Menschen den Tod. Es heißt, er hätte sich damit gerühmt 1000 Jungfrauen zu vergewaltigen und die daraus entstandenen Kinder abzuschlachten. Diese Geschichte ist wahrscheinlich nicht wahr, sie stammt wohl aus der Feder katholischer Mönche. Jenen Mönchen allerdings, die zur selben Zeit an den Hexenverbrennungen und der Folter von Ketzern beteiligt waren.
Trotz oder wegen seiner Schreckensherrschaft erreichte Iwan IV. einige Reformen in seinem, im Vergleich zum europäischen Westen, rückständigen Reich. 1550 wurde ein Gesetzesbuch eingeführt, durch das Parlament werden die Rechte der Bauern gestärkt. Die Reformen verfestigten den Staatsapparat und ermöglichten erst die außerpolitischen Erfolge, und damit auch den enormen Landgewinn.
Der nächste große Schritt richtung Westen wurde von Fjodor Aleksejewitsch ausgeführt, der von 1676 bis 1682 als dritter Romanow über das russische Reich regierte. Er war ein für die damalige Zeit ungewöhnlich gebildeter Mann, der in seiner Herrschaftszeit die "Öffnung 'gen Westen" durch seinen Nachfolger Peter dem Großen maßgeblich vorbereitet hat. Allerdings scheiterten Fjodors Bemühungen um eine antitürkische Allianz mit Polen und Österreich zu bilden. Erst seine Nachfolgerin Sofija realisierte dieses Vorhaben. Russland trat 1686 der nach der Türkenbelagerung von Wien 1684 gegründete heiligen Liga bei. Diese Liga bestand aus dem Papst, dem Kaiser, Polen und Benedig. Der Vertrag verankerte Russland Platz im europäischen Machtzirkel.
Im Gegensatz zu Fjodor Aleksejewitsch und seinen Nachfolgern, die alle (mehr oder minder) gute Kenntnisse über Europa hatten, blieb das Volk ungebildet. Nun wieder ein Zitat aus Rußland und Europa von Geier:
Reisefreiheit der Russen war bis in die Neuzeit stark eingeschränkt. Lizenzen waren von Nöten, in der Regel auch Bestechungsgeld. Die Abgrenzung nach Außen wurde von der orthodoxen Kirche befürwortet. Alles verderbliche kam aus dem (europäischen) Westen. (S74)
Die Meinung der Europäer über Russland war von den selben Vorurteilen geprägt. Wusste jemand etwas über das Zarenreich zu sagen, waren es Geschichte vom "grausamen Moskowien".
michael.h - 20. Nov, 17:21