Montag, 19. November 2007

Moskau als drittes Rom

Im 10 Jhd. nach Christus wird Russland (zu dem Zeitpunkt vornehmlich die Kiewer Rus) durch die irischen Mönche Kyrill und Method von Byzanz aus missioniert. Dadurch wird das Land im Osten christlich-orthodox. Mit der Missionierung geht nicht nur eine neue Religion einher, viel mehr eine ganze Kultur, die sich durch den byzantinischen Farbton bereits von der römisch-katholischen Tradition des Westens deutlich abhebt. Wobei es zu dem Zeitpunkt noch zu früh ist von einem Europa zu sprechen, wie wir es heute kennen.

Im 12 Jhd. bereits begann die Kiewer Rus zu zerfallen, dies ermöglichte es den einfallenden Mongolen (genauer der Goldenen Horde) die Herrschaft über das Gebiet zu erlangen und es über 2 Jhd. zu halten. Durch die Fremdherrschaft nahm Russland eine gänzlich andere Etwicklung als der Rest Europas in jener Zeit. Die asiatischen Herrscher waren brutal und grausam, Traditionen und Gebräuche (wie die Leibeigenschaft) sind noch viel länger geblieben als die Mongolen selbst. In diese Richtung muss ich noch genauer forschen.

Am 29. Mai 1453, also in der Regierungszeit des Fürsten Iwan III., fällt Konstantinopel an die Osmanen. Der uns überlieferte Kommentar zu diesem monumentalen Ereignis stammt von einem russischen Mönch namens Filotheos, dessen Meinung absolut zeitgenössisch war:

„Alle christilichen Reiche sind vergangen. Statt ihrer steht das Reich unseres russischen Zaren. Rom und Byzanz sind gefallen. Der Welt ist die dritte Metropole beschert worden: Moskau“.


Moskau als drittes Rom, als legitimer Nachfolger von Konstantinopel - und damit auch eine europäische Metropole, wenn auch in einem noch anderen Verständnis. Noch in einem Europa ohne eigene Identität. Genau in jene Zeit fällt auch der Sieg über die Goldene Horde, und damit die Befreiung der Kiewer Rus von seinen Besatzern.

Stand der Dinge

Ich habe in der letzten Woche Probleme mit meinem Internetzugang gehabt, und deshalb leider nicht veröffentlichen konnte. Offline habe ich natürlich fleißig weiter geschrieben. Diese Beiträge werde ich revidiert im Laufe der nächsten 1-2 Tage online stellen.

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Der Großteil meiner Arbeit nahm die Lektüre des Buches "Russland und Europa" ein - das doch mehr Aufwand war als ich gedachte hatte. Dennoch bin ich froh darüber recht ausschweifende Notizen gemacht zu haben, diese werden mir bei der Schreibarbeit sicher nützlich sein. Inwiefern ich mich jetzt noch auf die Panslawische Bewegung konzentriere, ist eine schwierige (und für mich noch offene) Frage, die sehr von den Quellen abhängt die mir zur Verfügung stehen.

Ich werde nun mit der Analyse des Buches "Russland und Europa" beginnen (auf Grundlage meiner Notizen).

Ein für mich zentraler Satz wird vom Autor bereits im Vorwort geäußert, dieser wird in abgewandelter Form sicherlich auch den Weg in meine Arbeit finden:


"Das eigentliche Problem Europas, als Idee wie als Realität, ist Russland. Wenn man „Russland und Europa“ sagt, bedeutete und bedeutet dies im Grunde, dass „Russland“ auf der einen und das „übrige“ Europa auf der anderen Seite gemeint sind.", weiter heißt es "Der wissenschaftliche Forschungsbegriff „Verhältnis zw. Russland und Europa“, nicht „Russland in Europa“ weist bereits auf einen Unterschied, einen Abstand oder Gegensatz hin."
(S15)

Ein interessanter Ansatz. Der Titel nimmt die Conclusio quasi schon vorweg. Die Ursache der Forschung ist gleichzeitig ihr Ergebnis. Spannend, wieviel uns die Terminologie über einfachste Gedankenänge verrät. In diesem Zusammenhang erscheinen Begriffe wie Osteuropa (für das eigentlich Mitteleuropa) sinnvoll und logisch. Gibt es hier also eine kulturelle, geschichtliche Grenze die von der uns bekannten geographischen stark abweicht? Und noch nicht einmal die geographische Grenze scheint klar definiert zu sein. Geier stellt dazu eine interessante Frage:

Gehört Russland zu Europa oder Asien, oder Europa zu Asien („Europa als westliche Halbinsel Asiens“)?

Dies sind natürlich nur ganz theoretische, noch nicht unbedint historische Überlegungen, jedoch begründen sie den Wertgehalt der Fragestellung - wie ich finde - sehr treffend. Immerhin ist der Begriff Europa ja zur Abgrenzung von Asien und Lybien (Afrika) entstanden - quasi per Auschlussverfahren.

Aus historischer Perspektive bleibt folgendes festzuhalten:

Der fränkisch-germanische, römisch-katholische „abendländische“ Westen Europas steht dem slawisch, griechisch-orthodoxe Osten gegenüber. Hierbei werden zwei Begriffe geprägt: Das von der Laitnität, der Romania geprägte Wort „Alteuropa“ auf der einen Seite, und das von dem orthodoxen Christentum geprägte „Neueuropa“.

Dies wäre sozusagen die Quintessenz meines Vorworts, auf die nun eine - nicht allzu knappe - Einleitung folgen würde. Nämlich (im direkte Anschluss an das letzte Zitat) der Werdegang Russlands nach der christlichen Missionierung durch Byzanz, insbesondere die Positionierung Moskaus als drittes Rom nach dem Untergang der weströmischen Hauptstadt.

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